Nachkalkulation im Handwerk: jeden Auftrag in vier Schritten nachrechnen
Wie Sie nach jedem Auftrag Soll und Ist vergleichen, was Mehrstunden, Mehrmaterial und Nachträge mit dem Ergebnis machen und wie die Nachkalkulation ohne neue Software laufen kann.
Nachkalkulation heißt: Nach dem Abschluss eines Auftrags werden die Werte aus dem Angebot mit den tatsächlichen Stunden, Materialkosten und Erlösen verglichen. Laut Leitfaden der Handwerkskammer Dortmund sollte ein Betrieb in jedem Fall prüfen, ob sein Angebot richtig kalkuliert war. Grundlage dafür sind die tatsächlich verbrauchten Mengen und die tatsächlichen Preise, etwa für Material und Personal (S. 10).
Die Formeln der Schritte 1 bis 3 und alle Seitenangaben stammen aus dem Leitfaden „Controlling im Wirtschaftsbereich Handwerk“ der Handwerkskammer Dortmund (3. Auflage 2019). Eigene Ergänzungen dieses Ratgebers sind die Zuordnung des kalkulierten Satzes zur Stundensatz-Kalkulation auf S. 15 und die Zerlegung in Schritt 4. Die Kennzahlen für den ganzen Betrieb, vom erzielten Stundenverrechnungssatz bis zur Liquidität, stehen im Ratgeber Controlling im Handwerksbetrieb.
Das Wichtigste in Kürze
- Nachkalkulation vergleicht je Auftrag das Soll aus dem Angebot mit dem Ist aus Rechnung, Stunden und Material. Sie zeigt, ob und wo der Auftrag von der Kalkulation abweicht.
- Vier Schritte: Wertschöpfung bilden, Ist-Stunden dagegenhalten, mit dem kalkulierten Satz vergleichen, die Abweichung in Reserve im Angebot, Nachträge, Mehrmaterial und Mehrstunden zerlegen.
- Voraussetzung sind Stunden und Material mit Auftragsnummer. Fehlen die Stunden je Auftrag, ist das die erste Baustelle.
- Maßstab ist der kalkulatorische Stundensatz vor Abzug des Materialerlöses, nicht der Satz, der im Angebot auf die Arbeitszeit kommt.
- Ein Minus ist ein Anlass zum Hinsehen, kein Urteil. Die Zerlegung zeigt, ob es am Preis, am Material oder an den Stunden liegt; ob Zeitansatz oder Ausführung die Ursache ist, klärt erst der Blick auf den Auftrag.
Vorkalkulation, Kontrolle im Auftrag, Nachkalkulation
Wichtige Schlüssel dafür, warum Ergebnisse von den Zielen abweichen, können laut Leitfaden in der Planung (Vorkalkulation) und in der Ergebniskontrolle (Nachkalkulation) liegen (S. 10). Dazwischen liegt die Ausführung. Wer dort schon mitzählt, sieht Mehrstunden und Mehrmaterial, solange sich noch etwas tun lässt, etwa einen Nachtrag vereinbaren.
| Stufe | Zeitpunkt | Frage | Daten |
|---|---|---|---|
| Vorkalkulation | vor dem Angebot | Welcher Preis deckt Kosten, Privatbedarf sowie Wagnis und Gewinn? | Stundenverrechnungssatz, Einkaufspreise, Zeitansätze, Nachkalkulationen früherer Aufträge |
| Kontrolle im Auftrag | während der Ausführung | Liegen Stunden und Material noch im Plan? | gebuchte Stunden, Lieferscheine, offene Nachträge |
| Nachkalkulation | nach der Schlussrechnung | Hat der Auftrag gebracht, was die Kalkulation vorsah? | Schlussrechnung, Ist-Stunden, Eingangsrechnungen, Nachträge |
Die drei Stufen hängen zusammen: Die Vorkalkulation braucht laut Leitfaden konkrete Informationen aus dem Rechnungswesen, aus der Nachkalkulation abgeschlossener Aufträge und von den Einkaufspreisen (S. 10). Zeitansätze für das nächste Angebot lassen sich also an nachgerechneten Aufträgen prüfen; Kosten und Zuschläge kommen aus dem Rechnungswesen. Wie ein Angebotspreis entsteht, zeigt der Ratgeber Kalkulation im Handwerk automatisieren.
Welche Daten Sie je Auftrag brauchen
Vier Werte je Auftrag reichen für den Anfang: Preis, Material und Stunden jeweils als Soll und als Ist, dazu der kalkulierte Satz als Maßstab. Das Soll ist das Angebot, das der Kunde angenommen hat; wird das Angebot später geändert, bleibt die angenommene Fassung der Maßstab, und Änderungen laufen als Nachträge.
| Wert | Soll aus dem Angebot | Ist nach dem Abschluss | Typische Lücke |
|---|---|---|---|
| Preis | Angebotssumme netto | Zahlbetrag netto nach Rabatt und Skonto, Nachträge als eigene Positionen | mündlich vereinbarte Nachträge, nie berechnet |
| Material, Fremdleistung und Bürgschaftskosten | kalkulierte Mengen mal Einkaufspreis netto, kalkulierte Fremdleistungen und Bürgschaftskosten | Lieferscheine und Eingangsrechnungen mit Kommission, Rechnungen der Subunternehmer, Avalprovision der Bank | Lagerentnahmen ohne Auftrag, Sammelrechnungen über mehrere Baustellen |
| Stunden | Zeitansätze je Position oder Gewerk | Zeiterfassung je Person und Auftrag | Tagessummen ohne Auftrag, Fahrzeiten und Nacharbeit nirgends gebucht |
| Kalkulierter Satz | kalkulatorischer Stundensatz des Betriebs (aus der Stundensatz-Kalkulation, nicht aus dem Angebot) | derselbe Wert | der Satz aus dem Angebot statt des kalkulatorischen Satzes |
Der gemeinsame Schlüssel ist die Auftragsnummer. Sie steht auf dem Angebot, auf jedem Stundenzettel, auf der Bestellung im Großhandel als Kommission und auf der Schlussrechnung. Erst dann lassen sich die Quellen ohne Suchen zusammenführen.
Stunden je Auftrag erfassen: die Voraussetzung
Material lässt sich über Lieferscheine und Kommissionen nachvollziehen. Bei den Stunden gelingt das nur, wenn sie je Auftrag erfasst sind und nicht nur als Tagessumme vorliegen. Laut Leitfaden müssen für aussagefähige Ergebnisse die Ist-Zeiten auftragsbezogen und je Person erfasst werden, auch die produktiven Stunden des mitarbeitenden Inhabers. Zusammen mit den Materialverbräuchen je Baustelle ist die Nachkalkulation dann nach dem Leitfaden recht unkompliziert (S. 17).
Praktisch heißt das: Jede Stunde bekommt eine Auftragsnummer, auch Fahrzeit, Kundendienst und Nacharbeit; was zu keinem Auftrag gehört, bekommt eine eigene Kennung, damit es nicht in der nächsten Baustelle verschwindet. Nachträge werden als eigene Position gebucht, sonst gehen ihre Stunden im Hauptauftrag unter. Wie sich die Zeiterfassung am Auftrag organisieren lässt und was für die Erfassung der Arbeitszeit gesetzlich gilt, steht im Ratgeber Prozesse im Handwerk automatisieren. Stunden je Person sind personenbezogene Daten; vor dem Aufbau sollte feststehen, wer die Auswertung sieht.
Soll-Ist-Vergleich in vier Schritten
Die ersten drei Schritte folgen dem Schema der Nachkalkulation im Leitfaden (S. 11). Der vierte Schritt zerlegt das Ergebnis in vier Posten.
Schritt 1: Wertschöpfung des Auftrags
Rechnungsbetrag minus Rabatt und Skonto, ohne Umsatzsteuer, ergibt den Zahlbetrag netto. Davon gehen Material und Fremdleistungen netto zu Einkaufspreisen sowie Bürgschaftskosten (Avale) ab. Der Rest ist die Wertschöpfung des Auftrags (S. 11, Zeile I). Material wird zum Einkaufspreis abgezogen, nicht zum Preis im Angebot; sonst fehlt der Materialaufschlag in der Wertschöpfung.
Schritt 2: Ist-Stunden und erzielter Satz
Die produktiven Stunden aller Beteiligten am Auftrag werden addiert, Auszubildende umgerechnet auf Gesellenstunden, der Inhaber mitgezählt (S. 11, Zeile K). Wertschöpfung geteilt durch diese Stunden ergibt den erzielten Stundenverrechnungssatz des Auftrags (Zeile L).
Schritt 3: Vergleich mit dem kalkulierten Satz
Das Ergebnis des Auftrags ist erzielter Satz minus kalkulierter Satz, mal Stunden (S. 11, Zeile N). Dasselbe ergibt: Wertschöpfung minus kalkulierter Satz mal Ist-Stunden. Kalkulierter Satz heißt hier der kalkulatorische Stundensatz des Betriebs (S. 11, Zeile M), also der Satz, der Personalkosten, Betriebskosten, Kapitaldienst, Privatbedarf sowie Wagnis und Gewinn deckt. Der Leitfaden ordnet Zeile M keiner Zeile seiner Stundensatz-Kalkulation zu; dieser Ratgeber nimmt dafür im Schema auf S. 15 Zeile L, den Stundensatz ohne Materialerlös, plus Zeile M, den Wagnis- und Gewinnzuschlag, noch vor Abzug der Erlöse Material in Zeile N. Nach dem Schema auf S. 15 ist der Satz, der im Angebot auf die Arbeitszeit kommt, um den Materialerlös gemindert; mit ihm fällt jedes Ergebnis zu gut aus. Warum das so ist, erklärt der Ratgeber Controlling im Handwerksbetrieb.
Ein Plus heißt: Der Auftrag hat mehr gebracht, als die Kalkulation für seine Stunden verlangt. Das gilt je Auftrag nur, wenn auf seine Stunden etwa so viel Material kommt wie in der Kalkulation; Aufträge mit wenig Material je Stunde, etwa Wartungen, liegen sonst eher darunter, materialreiche eher darüber. Deshalb gehört zum Ergebnis immer der vierte Schritt.
Schritt 4: Abweichung zerlegen
Zuerst die Reserve im Angebot: Angebotssumme minus kalkuliertes Material samt Fremdleistungen und Bürgschaftskosten minus kalkulierter Satz mal Soll-Stunden. Das ist der Betrag, den das Angebot über diese Kosten und die Soll-Stunden zum kalkulierten Satz hinaus enthielt. Darin stecken der Materialaufschlag, soweit der Stundensatz im Angebot ihn nicht schon als Materialerlös abzieht (S. 15, Zeile N), dazu ein Skontozuschlag (Zeile P) und Preisaufschläge, abzüglich der Nachlässe im Angebot. Bei wenig Material je Stunde kann die Reserve klein oder negativ sein. Mit dieser Reserve gilt für jeden Auftrag:
Ergebnis des Auftrags = Reserve im Angebot plus Nachträge minus Mehrmaterial minus Mehrstunden mal kalkulierter Satz.
Nachträge sind die Differenz zwischen dem Zahlbetrag netto aus Schritt 1 und der Angebotssumme; rechnet der Betrieb nach Aufmaß ab, stecken darin auch Mehr- und Mindermengen. Nachlässe auf der Rechnung, Rabatt und Skonto zählen mit umgekehrtem Vorzeichen. Mehrmaterial ist Ist minus Soll für Material, Fremdleistungen und Bürgschaftskosten zusammen, Mehrstunden sind Ist-Stunden minus Soll-Stunden; liegt das Ist unter dem Soll, wird der Posten zum Plus. Die vier Posten ergeben zusammen genau das Ergebnis aus Schritt 3. Erst diese Zerlegung zeigt, ob ein Minus am Preis, am Material oder an den Stunden liegt. Stunden und Material eines Nachtrags oder einer Mehrmenge zählen dabei als Mehrstunden und Mehrmaterial, weil das Soll das angenommene Angebot ist; ein nie berechneter Nachtrag steckt ganz darin und zeigt sich erst beim Blick auf die Baustelle.
Beispielrechnung: drei Auftragsarten nachkalkuliert
In der folgenden Beispielrechnung mit angenommenen Werten liegen zwei Auftragsarten über der Kalkulation und eine darunter; die Zerlegung zeigt, dass unter den Abweichungen vom Angebot die 26 Mehrstunden mit 1.768 € am schwersten wiegen.
Beispielrechnung mit angenommenen Werten. Musterbetrieb; die Werte sind Annahmen, keine gemessenen Werte.
Drei Auftragsarten im SHK-Betrieb mit 12 Beschäftigten
Der Musterbetrieb ist derselbe wie im Ratgeber Controlling im Handwerksbetrieb: der Inhaber, zwei Bürokräfte und neun Monteure, kalkulatorischer Stundensatz 68 € je produktiver Stunde. Alle Beträge sind Nettobeträge. Material steht zu Einkaufspreisen und schließt Fremdleistungen ein; Rabatt, Skonto und Bürgschaftskosten fallen nicht an. Die Aufträge sind abgeschlossen und abgerechnet, der Inhaber arbeitet im Beispiel nicht auf Baustellen mit. Die 24 Wartungen laufen über eine Pauschale von 200 € je Einsatz mit einem Zeitansatz von 2 Stunden; tatsächlich dauerte ein Einsatz im Schnitt 2,5 Stunden.
Soll und Ist je Auftragsart
| Auftragsart | Angebot netto | Rechnung netto | Material Soll | Material Ist | Stunden Soll | Stunden Ist |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Badsanierung | 17.600 € | 18.500 € (Nachtrag 900 €) | 8.300 € | 8.900 € | 100 | 112 |
| Heizungstausch | 12.400 € | 12.400 € | 7.700 € | 7.900 € | 36 | 38 |
| 24 Wartungsaufträge | 4.800 € | 4.800 € | 840 € | 900 € | 48 | 60 |
| Gesamt | 34.800 € | 35.700 € | 16.840 € | 17.700 € | 184 | 210 |
Die Zerlegung mit 68 € je Stunde
| Auftragsart | Reserve im Angebot | Nachträge | Mehrmaterial | Mehrstunden mal 68 € | Ergebnis des Auftrags |
|---|---|---|---|---|---|
| Badsanierung | 2.500 € (17.600 minus 8.300 minus 68 mal 100) | plus 900 € | minus 600 € | minus 816 € (12 Stunden) | plus 1.984 € |
| Heizungstausch | 2.252 € (12.400 minus 7.700 minus 68 mal 36) | 0 € | minus 200 € | minus 136 € (2 Stunden) | plus 1.916 € |
| 24 Wartungsaufträge | 696 € (4.800 minus 840 minus 68 mal 48) | 0 € | minus 60 € | minus 816 € (12 Stunden) | minus 180 € |
| Gesamt | 5.448 € | plus 900 € | minus 860 € | minus 1.768 € (26 Stunden) | plus 3.720 € |
Die Probe über die Schritte 1 bis 3: Die Badsanierung hat 9.600 € Wertschöpfung (18.500 € minus 8.900 €) in 112 Stunden, also 9.600 € minus 68 € mal 112 = plus 1.984 €. Der Heizungstausch: 4.500 € minus 68 € mal 38 = plus 1.916 €. Die Wartungen: 3.900 € minus 68 € mal 60 = minus 180 €. Zusammen plus 3.720 €, derselbe Wert wie in der Zerlegung und wie das Ergebnis zur Kalkulation im Ratgeber Controlling im Handwerksbetrieb.
Was die Zerlegung zeigt: Bei der Badsanierung decken Reserve und Nachtrag die 12 Mehrstunden und das Mehrmaterial; wäre der Nachtrag nicht berechnet worden, läge der Auftrag bei plus 1.084 €. Der Heizungstausch liegt mit 2 Mehrstunden nahe am Plan. Bei den Wartungen ist die Reserve klein, weil wenig Material je Stunde verbaut wird; die halbe Stunde je Einsatz, die über dem Ansatz liegt, kostet bei 24 Einsätzen 816 € und kippt das Ergebnis. Der dringendste Anlass zum Hinsehen ist damit die Wartung: Zeitansatz oder Pauschale.
Aus den Zahlen folgen Fragen, keine fertigen Antworten. Im Musterbetrieb könnte der Inhaber fragen:
- Dauert eine Wartung mit Anfahrt und Dokumentation regelmäßig 2,5 Stunden? Dann ist der Ansatz von 2 Stunden zu knapp: Mit 2 Stunden je Einsatz lägen die Wartungen bei plus 636 € (3.900 € minus 68 € mal 48), mit 2,5 Stunden liegen sie bei minus 180 €.
- Woher kamen die 12 Mehrstunden bei der Badsanierung: aus dem Nachtrag, aus Wartezeiten auf Material oder aus Nacharbeit?
- Wurden die 600 € Mehrmaterial der Badsanierung verbaut und nicht berechnet, oder stecken sie im Nachtrag?
Was aus den Antworten folgt, entscheidet der Betrieb.
Abweichungen deuten
Der Leitfaden rät bei Abweichungen zu fragen, ob die Ziele zu hoch gesteckt oder die Maßnahmen nicht ausreichend oder nicht die richtigen waren. Die Nachkalkulation soll zeigen, wo Schwachstellen im Betrieb oder nur in der Kalkulation liegen (S. 10). Die vier Posten aus Schritt 4 führen zu den Ursachen.
- Mehrstunden: Zuerst die Stunden der Nachträge und Mehrmengen herausrechnen. Dann: War der Zeitansatz zu knapp, oder lief die Baustelle schlecht? Hinweise geben die Stunden je Person und Tag: Wartezeiten auf Material, Nacharbeit, unklare Absprachen mit dem Kunden oder zusätzliche Fahrten. Ein zu knapper Ansatz zeigt sich bei jedem Auftrag dieser Auftragsart wieder, eine schlecht gelaufene Baustelle nur bei diesem einen Auftrag.
- Mehrmaterial: Zuerst das Material der Nachträge und Mehrmengen herausrechnen. Dann: verbaut, aber nicht berechnet; Preissteigerung zwischen Angebot und Einkauf; Verschnitt oder Bruch; teurere Fremdleistungen oder Bürgschaftskosten, die das Angebot nicht enthielt. Mehrmaterial, das der Kunde bestellt hat, gehört in einen Nachtrag.
- Nachträge: Zusätzliche Leistungen, die vereinbart, aber nie in Rechnung gestellt wurden, erscheinen nicht als Nachtrag, sondern als Mehrstunden und Mehrmaterial. Ihr Erlös fehlt, obwohl Stunden und Material angefallen sind. Deshalb bekommt jede Zusatzleistung eine Position und eine Bestätigung des Kunden.
- Preis: Nachlässe im Angebot, Pauschalen und alte Preislisten drücken die Reserve; Nachlässe auf der Rechnung, Rabatt und Skonto drücken den Posten Nachträge. Sinkt die Reserve je Stunde bei einer Auftragsart über die Zeit, gehören Preis oder Pauschale dieser Auftragsart auf den Prüfstand.
Ein Minus bei einem einzelnen Auftrag ist nicht automatisch ein Verlust: Der kalkulierte Satz enthält auch Privatbedarf sowie Wagnis und Gewinn (S. 15). Liegt die Wertschöpfung aller Aufträge im Jahr unter Personalkosten, Betriebskosten und Kapitaldienst, reicht sie nicht einmal für die Kosten des Betriebs, und für den Privatbedarf des Inhabers bleibt nichts. Je geplanter produktiver Stunde ist diese Grenze der betriebsnotwendige Stundensatz (S. 15, Zeile J); werden weniger Stunden produktiv als geplant, reicht auch dieser Satz nicht.
Von Einzelaufträgen zur Auftragsart und zum Kunden
Ein einzelner Auftrag kann schlecht laufen. Aussagekräftig wird die Nachkalkulation, wenn die Ergebnisse je Auftragsart über Monate zusammenkommen: Mehrstunden in Prozent der Soll-Stunden, Reserve im Angebot je Stunde, Anteil der Aufträge mit Nachtrag. Dann zeigt sich, ob ein Zeitansatz grundsätzlich zu knapp ist oder ob ein bestimmter Kunde ständig Änderungen wünscht, ohne dass ein Nachtrag entsteht.
Beim Vergleich zwischen Auftragsarten zählt das Material je Stunde: Materialarme Arbeiten wie Wartung und Kundendienst haben bei einem um den Materialerlös geminderten Stundensatz im Angebot eine kleine oder sogar negative Reserve und liegen beim Ergebnis je Stunde strukturell tiefer als materialreiche Arbeiten. Verglichen wird deshalb innerhalb einer Auftragsart über die Zeit und gegen die eigene Reserve, nicht Wartung gegen Heizungstausch. Als Kennzahl für den ganzen Betrieb steht das Ergebnis je Auftrag im Ratgeber Controlling im Handwerksbetrieb, zusammen mit dem erzielten Stundenverrechnungssatz des Monats.
Nachkalkulation automatisieren: vom Beleg zur Auswertung
Die Rechenschritte sind einfach; der Aufwand steckt im Zusammentragen. Genau das lässt sich automatisieren, soweit die Programme Exporte bieten:
- Soll: Angebote und Aufträge mit Auftragsnummer, Positionen, kalkulierten Stunden und Materialsummen als Export aus der Handwerkersoftware, etwa als Excel- oder CSV-Datei.
- Ist-Stunden: Export der Zeiterfassung je Person und Auftrag, mit eigener Kennung für Zeiten ohne Auftrag.
- Ist-Material: Eingangsrechnungen und Lieferscheine mit Kommission, aus der Buchhaltung oder dem Rechnungsprogramm.
- Erlöse: Rechnungsliste mit Nachträgen als eigenen Positionen.
Eine Tabelle, die diese Exporte über die Auftragsnummer zusammenführt, rechnet die vier Schritte für jeden abgeschlossenen Auftrag und markiert Abweichungen über einer Schwelle, etwa mehr als zehn Prozent Mehrstunden. Für den Anfang reicht Excel oder Google Sheets; ein Dashboard-Werkzeug kommt in Frage, wenn mehrere Quellen regelmäßig zusammengeführt werden sollen oder mehrere Personen verschiedene Ansichten brauchen. Manuell bleiben die Zuordnung von Belegen ohne Auftragsnummer, die Bewertung der Abweichungen und die Entscheidung, was daraus folgt. Wie ein Controlling-Dashboard mit dem Ergebnis je Auftragsart aussehen kann, zeigt die Seite Controlling für Handwerksbetriebe.
Checkliste und typische Fehler
Die Checkliste für den Aufbau:
- Jedes Angebot, jeder Stundenzettel, jede Bestellung und jede Rechnung trägt die Auftragsnummer.
- Das angenommene Angebot ist als Soll gesichert; Änderungen laufen als Nachträge.
- Stunden werden je Person und Auftrag erfasst, auch Fahrzeit, Kundendienst und Nacharbeit, der Inhaber eingeschlossen.
- Material wird mit Kommission bestellt und zu Einkaufspreisen netto abgezogen.
- Der kalkulatorische Stundensatz wird einmal im Jahr neu gerechnet und als Maßstab hinterlegt.
- Kleine Aufträge werden gesammelt je Auftragsart nachkalkuliert, nicht nur die Großaufträge.
- Das Ergebnis wird mit Bauleitung oder Monteuren besprochen, bevor Zeitansätze geändert werden.
Typische Fehler:
- Der Satz aus dem Angebot als Maßstab. Er ist im Schema auf S. 15 um den Materialerlös gemindert; das Ergebnis fällt dann zu gut aus.
- Material zum Angebotspreis abgezogen. In der Wertschöpfung fehlt dann der Materialaufschlag, das Ergebnis fällt zu schlecht aus.
- Stunden ohne Auftrag. Kundendienst und Fahrzeiten als Tagessumme verfälschen jedes Ergebnis je Auftrag.
- Nachträge im Hauptauftrag. Ihre Stunden und ihr Material sind nicht vom ursprünglichen Angebot zu trennen; der Zeitansatz des Angebots wirkt dann falsch.
- Soll nachträglich geändert. Wird das Angebot nach der Ausführung an das Ist angepasst, verschwindet die Abweichung, und mit ihr die Erkenntnis.
Häufige Fragen
Die Nachkalkulation vergleicht nach dem Abschluss eines Auftrags das Soll aus dem Angebot mit dem Ist aus Schlussrechnung, Ist-Stunden und verbrauchtem Material. Laut Leitfaden der Handwerkskammer Dortmund sollte ein Betrieb in jedem Fall prüfen, ob sein Angebot richtig kalkuliert war; Grundlage sind die tatsächlich verbrauchten Mengen und Preise. Die Zerlegung des Ergebnisses zeigt, ob ein Minus am Preis, am Material oder an den Stunden liegt; ob Zeitansatz oder Ausführung die Ursache war, klärt der Blick auf den Auftrag.
Je Auftrag Preis, Material und Stunden als Soll und Ist: Preis (Angebot und Zahlbetrag netto mit Nachträgen), Material und Fremdleistung (kalkuliert und nach Lieferscheinen und Eingangsrechnungen), Stunden (Zeitansatz und Zeiterfassung je Person); dazu als Maßstab den kalkulatorischen Stundensatz des Betriebs. Alle Belege tragen die Auftragsnummer; fehlt sie, beginnt die Nachkalkulation mit dem Nachtragen der Nummer.
Der kalkulatorische Stundensatz des Betriebs, der Personalkosten, Betriebskosten, Kapitaldienst, Privatbedarf sowie Wagnis und Gewinn deckt, vor Abzug des Erlöses aus dem Materialaufschlag. Nach dem Schema des Leitfadens (S. 15) ist der Satz, der im Angebot auf die Arbeitszeit kommt, um diesen Erlös gemindert; mit ihm fällt jedes Ergebnis zu gut aus. Im Schema der Nachkalkulation (S. 11) ist der Maßstab die Zeile M; welcher Zeile der Stundensatz-Kalkulation auf S. 15 sie entspricht, legt der Leitfaden nicht fest.
Ja, gesammelt je Auftragsart. Ein einzelner Wartungseinsatz sagt für sich wenig, 24 Einsätze mit im Schnitt einer halben Stunde über dem Zeitansatz dagegen viel. In der Beispielrechnung mit angenommenen Werten kostet das 816 € und kippt das Ergebnis der Auftragsart. Wenn Stunden und Material ohnehin mit Auftragsnummer erfasst werden, rechnet eine Tabelle kleine Aufträge mit, ohne zusätzlichen Aufwand je Auftrag.
Nach jedem abgeschlossenen Auftrag, sobald die Schlussrechnung bezahlt ist und die letzten Eingangsrechnungen gebucht sind; die Auswertung je Auftragsart einmal im Monat zusammen mit den übrigen Kennzahlen. Einmal im Jahr wird der kalkulatorische Stundensatz neu gerechnet, damit der Maßstab zu den aktuellen Kosten passt.
Für den Anfang ja: eine Arbeitsmappe mit Blättern für die Exporte aus Handwerkersoftware, Zeiterfassung und Buchhaltung, verbunden über die Auftragsnummer, und einem Blatt mit den vier Schritten je Auftrag. Ein Dashboard-Werkzeug kommt in Frage, wenn mehrere Quellen regelmäßig zusammengeführt werden sollen. Entscheidend ist weniger das Programm als die Auftragsnummer auf jedem Beleg.
Quellen
- Handwerkskammer Dortmund (Urheber: Handwerkskammer Dresden): Controlling im Wirtschaftsbereich Handwerk, 3. Auflage 2019 (PDF), abgerufen am 23.10.2026