Ratgeber · Controlling und Kennzahlen

Controlling im Handwerks­betrieb: die 8 Kennzahlen mit Formel und Beispielrechnung

Welche acht Kennzahlen ein Handwerksbetrieb aus Zeiterfassung, Aufträgen und Buchhaltung bilden kann, wie sie gerechnet werden und wie oft sie auf den Tisch gehören.

Von Peter Ungur · Veröffentlicht am · Lesezeit 18 Minuten

Controlling im Handwerksbetrieb heißt, den Betrieb mit Zahlen zu planen und zu steuern. Aus den eigenen Daten wird laufend sichtbar, welche Aufträge die Kalkulation erreichen, wie viele bezahlte Stunden auf Kundenaufträge gebucht werden und wie lange Rechnungen offen bleiben.

Die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) des Steuerbüros liefert dafür eine Grundlage, aber erst nach dem Monatsabschluss und in der üblichen Form ohne Bezug zu einzelnen Aufträgen. Laut Leitfaden der Handwerkskammer Dortmund haben viele Unternehmer Schwierigkeiten, genaue Angaben zur Auslastung oder zur Liquidität ihres Betriebs zu machen (S. 7).

Formeln und Richtwerte mit Seitenangabe stammen aus dem Leitfaden „Controlling im Wirtschaftsbereich Handwerk“ der Handwerkskammer Dortmund (3. Auflage 2019). Die Seitenangaben beziehen sich auf dieses PDF.

Das Wichtigste in Kürze

  • Controlling heißt planen, messen, vergleichen und steuern. Es ergänzt die BWA, die den abgeschlossenen Monat nach Kostenarten zeigt, nicht nach Aufträgen.
  • Acht Kennzahlen decken Ertrag, Auslastung, Vertrieb und Geld ab, von der Materialquote bis zur Liquidität 2. Grades.
  • Voraussetzung ist die Auftragsnummer an Stunden, Material und Rechnungen. Ohne sie bleibt das Ergebnis je Auftrag eine Schätzung.
  • Feste Richtwerte nennt der Leitfaden der Handwerkskammer nur für vier Kennzahlen aus der Bilanz, etwa 100 bis 120 % für die Liquidität 2. Grades. Sonst sind Vormonat, Vorjahr und die eigene Kalkulation der Maßstab.
  • Eine feste Routine genügt: wöchentlich Stunden, Auftragsbestand und offene Rechnungen, je Auftrag das Ergebnis, monatlich Ertrag, Angebote und Liquidität, jährlich die Neukalkulation des Stundenverrechnungssatzes.

Was Controlling ist und was die BWA leistet

Controlling wertet eigene Daten laufend und je Auftrag aus, die BWA den abgeschlossenen Monat nach Kostenarten. Laut Leitfaden geht es dabei um Planung und Steuerung, nicht vordergründig um Kontrolle (S. 7). Das Standardwerkzeug ist der Soll-Ist-Vergleich, der laut Leitfaden vor Lageeinschätzungen „nach Gefühl“ bewahrt (S. 10).

Die BWA erstellt das Steuerbüro aus der Buchhaltung, sobald die Belege eines Monats gebucht sind. Sie zeigt Umsatz, Material, Personal, sonstige Kosten und das vorläufige Ergebnis, gegliedert nach Kostenarten, zusammengefasst aus den Konten. Nach dem Leitfaden sind die Zahlen aus Buchhaltung, BWA und Summen- und Saldenliste der Ausgangspunkt für Überprüfungen und Planungen (S. 17). Einschätzen lassen sich die Ergebnisse aber erst mit Vorgaben, etwa Budgets für Material, Personal, Sachkosten, Kapitaldienst und Umsatz; ein Monatsraster mit Soll und Ist steht auf S. 18 f.

Merkmal BWA vom Steuerbüro Controlling im Betrieb
Datenbasis Buchhaltung Zeiterfassung, Aufträge, Angebote, Rechnungen, dazu Zahlen aus der Buchhaltung
Zeitpunkt nach dem Monatsabschluss laufend, je nach Kennzahl wöchentlich, monatlich oder je Auftrag
Gliederung nach Kostenarten (aus den Konten) nach Auftrag, Auftragsart, Kunde und Monat
Blickrichtung rückblickend rückblickend und nach vorn, etwa beim Auftragsbestand
Leitfrage Wie war der Monat insgesamt? Welche Aufträge lohnen sich, und reicht das Geld?

Beides gehört zusammen: Drei der acht Kennzahlen brauchen Zahlen aus der Buchhaltung. Und die Summe aus Material und Fremdleistung aller Aufträge sollte zur BWA passen; eine große Differenz kann auf Belege ohne Auftrag, Lagerkäufe oder zeitversetzte Buchungen hindeuten.

Woher die Zahlen kommen

Die Zahlen kommen aus sechs Quellen, die im Betrieb ohnehin entstehen.

Datenquelle Was drinsteht Typische Lücke
Handwerkersoftware Angebote, Aufträge und Rechnungen mit Nummer und Status Angebotsstatus nicht gepflegt, Nachträge nicht am Auftrag
Zeiterfassung (Stundenzettel oder App) Stunden je Person und Tag, im besten Fall je Auftrag nur Tagessummen, Kundendienst und Fahrzeiten ohne Auftrag
Lieferscheine und Eingangsrechnungen Material und Fremdleistungen mit Menge und Preis keine Kommission, Sammelrechnungen über mehrere Baustellen
Rechnungsliste Ausgangsrechnungen mit Datum, Betrag und Fälligkeit Datum der Fertigstellung fehlt, Abschläge ohne Auftragsbezug
Kontoumsätze aus dem Onlinebanking Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge Zahlungen ohne Rechnungsnummer, Teilzahlungen
BWA und Summen- und Saldenliste vom Steuerbüro Umsatz, Material, Personal und Kosten, in der BWA nach Kostenarten, in der Summen- und Saldenliste nach Konten mit Bank, Forderungen und Verbindlichkeiten, soweit gebucht erst nach dem Monatsabschluss, kein Bezug zu Aufträgen

Der gemeinsame Schlüssel ist die Auftragsnummer. Jede Stunde, jeder Lieferschein, jede Eingangs- und Ausgangsrechnung trägt die Nummer des Auftrags, zu dem sie gehört, bei Bestellungen im Großhandel als Kommission. Erst dann lassen sich die Quellen zusammenführen und je Auftrag, Auftragsart oder Kunde auswerten.

Laut Leitfaden müssen für aussagefähige Ergebnisse die Ist-Zeiten auftragsbezogen und je Person erfasst werden, auch die produktiven Stunden des mitarbeitenden Inhabers (S. 17). Zusammen mit den Materialverbräuchen je Baustelle ist die Nachkalkulation dann nach dem Leitfaden recht unkompliziert. Stunden je Person sind personenbezogene Daten; vorher sollte feststehen, wer sie sieht. Gibt es einen Betriebsrat, ist er zu beteiligen. Bei externen Diensten, etwa einer Tabelle oder einem Dashboard im Internet, zählen außerdem der Verarbeitungsort, ein Auftragsverarbeitungsvertrag und ob der Anbieter die Daten für eigene Zwecke nutzen darf. Wie sich die Zeiterfassung am Auftrag organisieren lässt und was für die Erfassung der Arbeitszeit gesetzlich gilt, beschreibt der Ratgeber Prozesse im Handwerk automatisieren.

Vor dem Aufbau lohnt eine Bestandsaufnahme: Welche Programme geben Daten als Datei aus, etwa als Excel- oder CSV-Datei, und wo fehlt die Auftragsnummer? Fehlt eine Quelle ganz, beginnt das Controlling mit den übrigen Kennzahlen.

Die 8 Kennzahlen mit Formel

Die acht Kennzahlen sind Materialquote, Anteil produktiver Stunden, erzielter Stundenverrechnungssatz, Ergebnis je Auftrag, Angebotserfolgsquote, Auftragsbestand in Wochen, Forderungslaufzeit und Liquidität 2. Grades.

Fünf Kennzahlen entstehen allein aus den eigenen Daten des Betriebs (2 und 4 bis 7), drei brauchen Zahlen aus der Buchhaltung (1, 3 und 8; bei 3 zusammen mit der Zeiterfassung). Zusammen decken sie Ertrag (1, 3, 4), Auslastung (2, 6), Vertrieb (5, 6) und Geld (7, 8) ab. Der Leitfaden empfiehlt ein Kennzahlensystem, das auf den eigenen Betrieb zugeschnitten ist (S. 8); die acht sind ein Startpunkt, kein Pflichtprogramm. Bilanzkennzahlen wie die Eigenkapitalquote stehen im Abschnitt Richtwerte.

Kennzahl Formel Wofür Datenquelle Rhythmus
1. Materialquote Material und Fremdleistung geteilt durch Umsatz, mal 100 Anteil für Lieferanten und Subunternehmer Buchhaltung, je Auftrag die Eingangsrechnungen monatlich und je Auftrag
2. Anteil produktiver Stunden produktive Stunden geteilt durch bezahlte Anwesenheitsstunden, mal 100 Auslastung der Monteure Zeiterfassung wöchentlich
3. Erzielter Stundenverrechnungssatz Wertschöpfung geteilt durch produktive Stunden Vergleich mit dem kalkulierten Satz BWA, Rechnungen, Eingangsrechnungen, Zeiterfassung monatlich
4. Ergebnis je Auftrag Wertschöpfung minus (kalkulierter Satz mal produktive Stunden) welche Aufträge sich lohnen Rechnung, Eingangsrechnungen und Stunden des Auftrags je abgeschlossenem Auftrag
5. Angebotserfolgsquote angenommene geteilt durch abgegebene Angebote, mal 100 Erfolg im Vertrieb Angebotsliste monatlich
6. Auftragsbestand in Wochen beauftragte, noch nicht ausgeführte Aufträge geteilt durch den durchschnittlichen Wochenumsatz wie lange die Arbeit reicht Auftragsliste, Rechnungsliste wöchentlich
7. Forderungslaufzeit offene Forderungen geteilt durch Umsatz je Tag, beides mit Umsatzsteuer wie lange das Geld bei Kunden liegt offene Posten, Rechnungsliste wöchentlich
8. Liquidität 2. Grades Kasse und Bank plus Forderungen, geteilt durch kurzfristige Verbindlichkeiten, mal 100 ob die kurzfristigen Zahlungen gedeckt sind Bank, offene Posten, Buchhaltung monatlich

1. Material­quote

Material und Fremdleistung geteilt durch den Umsatz, mal 100. Die Quote zeigt, welcher Teil des Umsatzes an Lieferanten und Subunternehmer geht; der Rest ist die Wertschöpfung. Im Monatsraster der Handwerkskammer ist das die Summe aus Material- und Wareneinsatz samt Fremdleistungen; Umsatz minus diese Summe ergibt den Rohertrag I (S. 18 f.). Steigt die Quote, können Einkaufspreise, ein anderer Auftragsmix oder verbautes, aber nicht berechnetes Material die Ursache sein.

2. Anteil produktiver Stunden

Produktive, also auf Kundenaufträge gebuchte Stunden geteilt durch die bezahlten Anwesenheitsstunden, mal 100. Der Rest geht etwa in Lager, Fahrzeugpflege oder Wartezeiten. Im Schema der Handwerkskammer zählen Urlaub, Feiertage und Krankheit nicht als Anwesenheit, die unproduktiven Stunden werden abgezogen (S. 14). Liegt der Anteil unter dem Wert, mit dem der Stundensatz kalkuliert wurde, verteilen sich die Kosten auf weniger Stunden als geplant.

3. Erzielter Stunden­verrechnungs­satz

Wertschöpfung geteilt durch produktive Stunden (S. 11, Zeile L). Wertschöpfung heißt im Schema: Nettoumsatz nach Rabatt und Skonto minus Material, Fremdleistungen und Bürgschaftskosten. Der Vergleich mit dem kalkulierten Satz zeigt, ob die Preise im Schnitt die Kalkulation je Stunde erreichen. Kalkulierter Satz heißt hier der kalkulatorische Stundensatz des Schemas auf S. 11 (Zeile M), vor Abzug des Erlöses aus dem Materialaufschlag (S. 15, Zeile N); warum, erklärt der Abschnitt zur Minimal-Routine. Liegt der erzielte Satz darunter, kommen Preise, Zeitansätze und nicht berechnete Stunden auf den Prüfstand.

4. Ergebnis je Auftrag

Wertschöpfung des Auftrags minus (kalkulierter Satz mal produktive Stunden), im Schema der Handwerkskammer Zeile N (S. 11). Ein Plus heißt: Der Auftrag hat mehr erwirtschaftet, als die Kalkulation für seine Stunden verlangt. Das gilt je Auftrag nur, wenn auf seine Stunden etwa so viel Material kommt wie in der Kalkulation: Aufträge mit wenig Material je Stunde, etwa Wartungen, liegen sonst eher darunter, materialreiche eher darüber. Ein Minus ist nicht automatisch ein Verlust: Der Satz enthält auch Privatbedarf sowie Wagnis und Gewinn (S. 15). Gerechnet wird nach jedem abgeschlossenen Auftrag als Nachkalkulation, mit Stunden und Material, die die Auftragsnummer tragen; den Soll-Ist-Vergleich Schritt für Schritt und die Zerlegung der Abweichung zeigt der Ratgeber Nachkalkulation im Handwerk.

5. Erfolgsquote der Angebote

Angenommene geteilt durch abgegebene Angebote, mal 100, nach Anzahl oder nach Summe in Euro. Angebote, über die der Kunde noch nicht entschieden hat, drücken die Quote; aussagekräftig ist sie für einen Zeitraum, dessen Angebote entschieden sind, oder getrennt nach angenommen, abgelehnt und offen. Die Quote zeigt, wie viel Angebotsarbeit zu Aufträgen wird. Weichen beide Werte deutlich voneinander ab, gehen große und kleine Angebote unterschiedlich aus. Voraussetzung ist eine Angebotsliste mit Datum, Betrag, Status und möglichst dem Grund jeder Absage.

6. Auftrags­bestand in Wochen

Beauftragte, noch nicht ausgeführte Aufträge geteilt durch den durchschnittlichen Wochenumsatz. Auftragsbestand und Auftragseingang zählt der Leitfaden zu den wichtigsten Controlling-Kennzahlen (S. 9). Der Wert zeigt, wie lange die beauftragte Arbeit reicht. Aussagekräftig ist der Verlauf über mehrere Wochen; bei einem Rückgang nennt der Leitfaden zuerst die Ursachenforschung (S. 27).

7. Laufzeit der Forderungen

Offene Forderungen geteilt durch den Umsatz je Tag (Jahresumsatz geteilt durch 365), beides mit Umsatzsteuer, weil offene Rechnungen sie enthalten. Das ist ein vereinfachtes Debitorenziel: Die Handwerkskammer rechnet unfertige und noch nicht abgerechnete Leistungen ein, zieht Anzahlungen ab und weist darauf hin, dass der Wert für einen Stichtag gilt (S. 25). Ergänzend zählen die Tage zwischen Fertigstellung und Rechnung (S. 9). Gegen eine zu lange Laufzeit nennt der Leitfaden schnelle Rechnungen nach der Fertigstellung, Abschlagsrechnungen und ein besseres Mahnwesen (S. 25).

8. Liquidität 2. Grades

Geldwerte, also Kasse und Bank, plus Forderungen, geteilt durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten, mal 100. Der Leitfaden nennt 100 bis 120 % als Richtwert; ein Wert unter 100 % ist ein Alarmzeichen (S. 23). Weil sich die kurzfristige Liquidität laufend ändert, ist der Wert allein nur begrenzt aussagekräftig (S. 23). Ein Liquiditätsplan mit den erwarteten Ein- und Auszahlungen ergänzt ihn, ein Raster dafür steht auf S. 20.

Beispielrechnung: ein Monat im Musterbetrieb

In der folgenden Beispielrechnung mit angenommenen Werten liegen drei Auftragsarten des Musterbetriebs zusammen 3.720 € über der Kalkulation, der Monat insgesamt 7.440 € darunter.

Beispielrechnung mit angenommenen Werten. Musterbetrieb; die Werte sind Annahmen, keine gemessenen Werte.

Ein Monat im SHK-Betrieb mit 12 Beschäftigten

Im Musterbetrieb arbeiten 12 Beschäftigte: der Inhaber, zwei Bürokräfte und neun Monteure. Der kalkulatorische Stundensatz nach dem Schema der Handwerkskammer (Zeile M, S. 11) beträgt 68 € je produktiver Stunde. Der Satz enthält Wagnis und Gewinn. Aus der Stundensatz-Kalkulation auf S. 15 nimmt dieser Ratgeber dafür den Wert vor Abzug des Erlöses aus dem Materialaufschlag; der Leitfaden selbst ordnet die beiden Schemata einander nicht zu. Die Monteure sind im Monat zusammen 1.440 Stunden anwesend (9 mal 160), davon sind 1.080 Stunden produktiv, also auf Kundenaufträge gebucht. Der Inhaber arbeitet im Beispiel nicht auf Baustellen mit. Angenommen ist ein Monat mit durchschnittlichem Umsatz, sodass der Monatsumsatz mal 12 den Jahresumsatz ergibt. Angenommen ist außerdem, dass Umsatz und Stunden zusammenpassen: Die Stunden der abgerechneten Aufträge fallen in diesen Monat. Begonnene, noch nicht abgerechnete Aufträge sind am Monatsende so viel wert wie am Monatsanfang. Umsatz, Auftragsbestand, Material und Wertschöpfung sind Nettobeträge; Forderungen und Verbindlichkeiten enthalten die Umsatzsteuer, alle Umsätze mit 19 %.

Die acht Kennzahlen im Monat

Kennzahl Rechenweg Wert Einordnung
Materialquote 52.000 € geteilt durch 118.000 €, mal 100 rund 44 % Wertschöpfung 66.000 €; Maßstab: Vormonat, Vorjahr, Materialanteil der Angebote
Anteil produktiver Stunden 1.080 geteilt durch 1.440 Stunden, mal 100 75 % ein Viertel der Anwesenheit ohne Kundenauftrag; Maßstab: Anteil aus der Stundensatz-Kalkulation
Erzielter Stundenverrechnungssatz 66.000 € geteilt durch 1.080 Stunden rund 61 € unter den kalkulierten 68 €
Ergebnis zur Kalkulation, alle Aufträge des Monats 66.000 € minus (68 € mal 1.080 Stunden) minus 7.440 € die Wertschöpfung reicht nicht für 68 € je produktiver Stunde
Angebotserfolgsquote 9 geteilt durch 22 Angebote, mal 100 rund 41 % nach Anzahl Maßstab: Vormonat und Vorjahr
Auftragsbestand 190.000 € geteilt durch rund 27.200 € Wochenumsatz (118.000 € mal 12 geteilt durch 52) rund 7 Wochen Maßstab: Verlauf der letzten Wochen
Forderungslaufzeit 95.000 € geteilt durch rund 4.620 € Umsatz je Tag mit Umsatzsteuer (118.000 € mal 1,19 mal 12 geteilt durch 365) rund 21 Tage davon 28.000 € überfällig
Liquidität 2. Grades 38.000 € Kasse und Bank plus 95.000 € Forderungen, zusammen 133.000 €, geteilt durch 120.000 € kurzfristige Verbindlichkeiten, mal 100 rund 111 % im Richtwert von 100 bis 120 % (S. 23)

Drei Auftragsarten aus demselben Monat

Die Aufträge sind abgeschlossen und abgerechnet. Wertschöpfung ist hier der Umsatz netto minus Material und Fremdleistung, Bürgschaftskosten fallen nicht an.

Auftragsart Wertschöpfung Produktive Stunden Erzielt je Stunde Ergebnis zur Kalkulation
Badsanierung 9.600 € (18.500 € minus 8.900 €) 112 rund 86 € plus 1.984 €: 9.600 € minus (68 € mal 112)
Heizungstausch 4.500 € (12.400 € minus 7.900 €) 38 rund 118 € plus 1.916 €: 4.500 € minus (68 € mal 38)
24 Wartungsaufträge 3.900 € (4.800 € minus 900 €) 60 65 € minus 180 €: 3.900 € minus (68 € mal 60)
Gesamt 18.000 € (35.700 € minus 17.700 €) 210 rund 86 € plus 3.720 €

Der Abgleich: Auf die übrigen Aufträge entfallen 48.000 € Wertschöpfung (66.000 € minus 18.000 €) in 870 Stunden (1.080 minus 210). Das sind rund 55 € je Stunde und minus 11.160 € zur Kalkulation, also 48.000 € minus (68 € mal 870). Was den Schnitt drückt, etwa Kundendienst, Nacharbeit, Garantiefälle oder nicht berechnete Wege, zeigt erst die Auswertung je Auftrag.

Aus den Zahlen folgen Fragen, keine fertigen Antworten. Im Musterbetrieb könnte der Inhaber fragen:

  • Passt die Wartungspauschale zum Zeitansatz, oder dauert eine Wartung länger als kalkuliert?
  • Mit welchem Anteil produktiver Stunden wurden die 68 € kalkuliert, und wie weit liegen die 75 % davon entfernt?
  • Wie sicher sind die 28.000 € überfälligen Forderungen? Ohne sie läge die Liquidität 2. Grades bei 87,5 % (38.000 € plus 67.000 €, geteilt durch 120.000 €, mal 100).
  • Welche der übrigen 13 Angebote sind noch offen?

Was aus den Antworten folgt, entscheidet der Betrieb.

Richtwerte: wo es belastbare gibt

Feste Richtwerte nennt der Leitfaden der Handwerkskammer nur für vier Kennzahlen, alle auf Basis der Bilanz:

  • Eigenkapitalquote: Eigenkapital mal 100 geteilt durch die Bilanzsumme, nicht unter 20 bis 25 % (S. 22).
  • Anlagendeckung: Eigenkapital plus langfristiges Fremdkapital, mal 100, geteilt durch das Anlagevermögen, nach der „Goldenen Bilanzregel“ nicht unter 100 % (S. 22).
  • Liquidität 2. Grades: zwischen 100 und 120 %, unter 100 % ein Alarmzeichen (S. 23).
  • Kapitalumschlag: Umsatz geteilt durch die Bilanzsumme. Liegt er unter 1, rät der Leitfaden zu Maßnahmen, etwa den Lagerbestand zu senken oder Außenstände zu verringern (S. 24).

Eigenkapitalquote, Anlagendeckung und Kapitalumschlag brauchen eine Bilanz; die Einnahmen-Überschuss-Rechnung liefert keine. Die Liquidität 2. Grades lässt sich dagegen jeden Monat aus Bankstand, offenen Forderungen und kurzfristigen Verbindlichkeiten bilden.

Für die operativen Kennzahlen 1 bis 7 nennt der Leitfaden keine Richtwerte. Maßstab sind der Vormonat, derselbe Monat im Vorjahr und die eigene Kalkulation, etwa kalkulierter Satz, Materialanteil im Angebot, geplanter Anteil produktiver Stunden und Zahlungsziel. Vergleichswerte ohne Herausgeber, Jahr und Bezug zum Gewerk taugen nicht als Maßstab.

Für den Vergleich mit anderen Betrieben gibt es Betriebsvergleiche. Der Leitfaden nennt die Betriebsvergleiche der Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH): Sie stellen die Kosten des eigenen Betriebs denen gleichartiger Betriebe gegenüber (S. 28). Ob es einen Betriebsvergleich für das eigene Gewerk und Bundesland gibt, beantworten die Handwerkskammer oder der Fachverband.

Die Minimal-Routine: wöchentlich, je Auftrag, monatlich, jährlich

Die Routine hat vier Anlässe: wöchentlich, nach jedem abgeschlossenen Auftrag, monatlich und jährlich.

Rhythmus Kennzahlen Wer Quelle
Wöchentlich Anteil produktiver Stunden, Auftragsbestand, Forderungslaufzeit mit überfälligen Rechnungen, Tage zwischen Fertigstellung und Rechnung Büro bereitet vor, Inhaber sieht durch Zeiterfassung, Auftragsliste, Rechnungsliste, Kontoumsätze
Je abgeschlossenem Auftrag Ergebnis je Auftrag, Materialquote des Auftrags Büro rechnet, Inhaber oder Bauleitung bewertet Rechnung, Eingangsrechnungen und Stunden mit Auftragsnummer
Monatlich Materialquote, erzielter Stundenverrechnungssatz, Angebotserfolgsquote, Liquidität 2. Grades, BWA im Soll-Ist-Vergleich Inhaber mit dem Büro BWA und Summen- und Saldenliste vom Steuerbüro, Zeiterfassung, Angebotsliste, Bankstand
Jährlich Stundenverrechnungssatz neu kalkulieren (S. 12 bis 16), Budgets für das neue Jahr, bei Bilanzierung Eigenkapitalquote, Anlagendeckung und Kapitalumschlag Inhaber Jahresabschluss oder Einnahmen-Überschuss-Rechnung vom Steuerbüro, Lohnkosten, Kosten und Stunden des Vorjahres

Der jährliche Schritt ist die Grundlage der Ertragskennzahlen: Der kalkulierte Satz ist der Maßstab für die Kennzahlen 3 und 4. Ändern sich Löhne, Kosten oder der Anteil produktiver Stunden, misst der Betrieb sonst gegen einen veralteten Wert. Der Leitfaden setzt je Stunde Kosten, Privatbedarf sowie Wagnis und Gewinn an und zieht davon den Erlös aus dem Materialaufschlag ab (S. 12 bis 15). Die Wertschöpfung enthält diesen Aufschlag. Deshalb ist für den Betrieb insgesamt der Satz vor dem Abzug der passende Maßstab, nicht der Satz, der im Angebot auf die Arbeitszeit kommt. Je Auftrag passt er nur, wenn auf die Stunden des Auftrags etwa so viel Material kommt wie in der Kalkulation; Aufträge mit wenig Material je Stunde, etwa Wartungen, liegen sonst eher darunter, materialreiche eher darüber. Wie Stundensatz, Materialzuschlag sowie Wagnis und Gewinn im Angebot zusammenkommen, zeigt der Ratgeber Kalkulation im Handwerk automatisieren.

Controlling ohne Controller

Controlling braucht im Handwerksbetrieb nicht unbedingt eine eigene Stelle. Der Leitfaden der Handwerkskammer ist deutlich: Controlling ist Chefsache, ein Controller kann nur beratend tätig sein, entscheiden muss der Chef (S. 7). Die Arbeit verteilt sich auf die, die die Daten ohnehin in der Hand haben:

  • Inhaber: legt Kennzahlen und Zielwerte fest, sieht die Zahlen im festen Rhythmus an und entscheidet, was aus Abweichungen folgt.
  • Büro: vergibt Auftragsnummern, prüft die Zuordnung von Stunden und Belegen, schreibt Rechnungen nach der Fertigstellung und pflegt Angebotsliste und offene Posten.
  • Monteure und Bauleitung: buchen Stunden auf den Auftrag und melden Nachträge und Mehrmengen.
  • Steuerbüro: bucht die Belege und liefert BWA, Summen- und Saldenliste, offene Posten und Jahresabschluss. Was in welcher Form und zu welchem Termin kommt, vereinbart der Betrieb mit seinem Steuerbüro.
  • Externer Dienstleister, wenn gewünscht: führt die Daten zusammen, richtet Kennzahlen und Berichte ein und dokumentiert Formeln und Quellen. Die Entscheidungen bleiben im Betrieb.

Die Lage des ganzen Betriebs sollte der Inhaber laut Leitfaden mit externen Partnern besprechen, etwa mit Steuerberatung, Hausbank oder den Betriebsberatern der Handwerkskammer (S. 26). Wie die Einrichtung eines Controlling-Dashboards aus vorhandenen Daten abläuft, zeigt die Seite Controlling für Handwerksbetriebe.

Typische Fehler in den Daten

  • Stunden ohne Auftrag. Kundendienst, Kleinaufträge und Fahrzeiten landen als Sammelposten oder Tagessumme. Dann stimmen weder der Anteil produktiver Stunden noch das Ergebnis je Auftrag. Für aussagefähige Ergebnisse verlangt der Leitfaden Ist-Zeiten je Auftrag und Person (S. 17).
  • Material ohne Auftragsbezug. Lagerentnahmen, Sammelrechnungen und Bestellungen ohne Kommission fehlen beim Auftrag. Der Auftrag sieht dann besser aus, als er war.
  • Nachkalkulation nur bei Großaufträgen. Kleine Aufträge summieren sich: Im Beispiel liegen die 24 Wartungen unter der Kalkulation, die großen Aufträge darüber. Ob das am Zeitansatz liegt oder daran, dass Wartungen wenig Material je Stunde enthalten, klärt erst der genaue Blick. Ob ein Angebot richtig kalkuliert war, zeigt laut Leitfaden erst die Nachkalkulation (S. 10).
  • Gewinn mit Liquidität verwechseln. Ein gutes Ergebnis kann mit einem leeren Konto zusammenfallen, wenn Rechnungen offen sind oder Material vorfinanziert wurde. Zwischen Umsatz und Zahlungseingang besteht laut Leitfaden kein direkter Zusammenhang; der Leitfaden betont den Leitsatz „Liquidität geht vor Rentabilität“ (S. 17).
  • Zu viele Kennzahlen. Eine Übersicht mit Dutzenden Werten ist schwer regelmäßig zu lesen. Besser sind wenige, die zum Betrieb passen.
  • Zahlen ohne Konsequenz. Eine Kennzahl ohne Zielwert und ohne vereinbarte Reaktion bleibt Beobachtung. Bei Abweichungen rät der Leitfaden zu fragen, ob das Ziel zu hoch gesteckt war oder die Maßnahmen nicht ausgereicht haben (S. 10).

Häufige Fragen

Controlling im Handwerksbetrieb heißt, den Betrieb mit Zahlen zu planen und zu steuern: Ziele festlegen, Ist-Werte aus den eigenen Daten erheben, vergleichen und bei Abweichungen entscheiden. Nach dem Leitfaden der Handwerkskammer Dortmund geht es weniger um Kontrolle als um Planung und Steuerung, und es ist Chefsache. Praktisch sind das wenige Kennzahlen je Auftrag, Woche und Monat.

Die BWA ist eine wichtige Grundlage, zeigt den Betrieb aber nach Kostenarten und erst nach dem Monatsabschluss. Welcher Auftrag sich gelohnt hat, wie viele Monteurstunden bei Kunden angekommen sind und wie lange der Auftragsbestand reicht, steht nicht darin. Dafür braucht es Daten aus Zeiterfassung, Aufträgen und Angeboten, verbunden über die Auftragsnummer. BWA und Controlling ergänzen sich.

Ein guter Start sind drei: der Anteil produktiver Stunden, das Ergebnis je Auftrag und die offenen Forderungen mit ihrer Laufzeit. Sie zeigen, ob bezahlte Stunden bei Kunden ankommen, ob Aufträge die Kalkulation erreichen und ob das Geld hereinkommt. Die übrigen Kennzahlen kommen dazu, sobald diese drei regelmäßig vorliegen.

Wöchentlich die Werte, die sich schnell ändern: Anteil produktiver Stunden, Auftragsbestand und offene Rechnungen. Nach jedem abgeschlossenen Auftrag das Ergebnis je Auftrag, monatlich Materialquote, erzielten Stundenverrechnungssatz, Angebotserfolgsquote und Liquidität zusammen mit der BWA. Einmal im Jahr wird der Stundenverrechnungssatz neu kalkuliert.

Nicht unbedingt. Das Büro pflegt Auftragsnummern, Stunden und Belege, das Steuerbüro liefert BWA und Summen- und Saldenliste, ein Werkzeug rechnet die Kennzahlen, bei Bedarf eingerichtet von einem externen Dienstleister. Entscheiden muss ohnehin der Inhaber: Laut Leitfaden der Handwerkskammer Dortmund ist Controlling Chefsache, ein Controller kann nur beratend tätig sein.

Für den Anfang reicht eine Tabellenkalkulation wie Excel oder Google Sheets, gefüllt mit Exporten aus Handwerkersoftware, Zeiterfassung, Buchhaltung und Onlinebanking. Entscheidend ist weniger das Programm als die gemeinsame Auftragsnummer in allen Quellen. Ein Dashboard-Werkzeug mit automatischer Aktualisierung kommt in Frage, wenn mehrere Quellen regelmäßig zusammengeführt werden sollen. Welche Daten wo liegen, zeigt der Abschnitt Woher die Zahlen kommen.

Quellen

  1. Handwerkskammer Dortmund (Urheber: Handwerkskammer Dresden): Controlling im Wirtschaftsbereich Handwerk, 3. Auflage 2019 (PDF), abgerufen am 23.10.2026

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